Stellungnahmen bezüglich des Verbots der Nahost-Veranstaltungsreihe der VHS Neuss

Offener Brief vom Sprecherkreis von KoPI (Deutscher Koordinationskreis Palästina Israel) an den Bürgermeister der Stadt Neuss Herbert Napp ————————— Außerdem Stellungnahmen vom Verein Handala e. V. , dem Verein Flüchtlingskinder im Libanon e. V. und weitere

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Am 26. Januar  wurde die Veranstaltungsreihe Nahost der VHS Neuss vom Bürgermeister der Stadt Neuss, Herrn Herbert Napp (CDU), verboten.

logoDeutscher Koordinationskreis Palästina Israel, KoPI
KoPI-Sprecherkreis

Bürgermeister der Stadt Neuss, Herrn Herbert Napp
m.d.B. um Weitergabe an die Fraktionen des Rates
und an den Leiter der VHS Neuss, Herrn Gerhard Heide

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,

Absage von Informationsveranstaltungen zum israelisch-palästinensischen Konflikt an der VHS Neuss

der deutsche Koordinationskreis Palästina Israel hat mit Empörung die Ereignisse in Neuss zur Kenntnis genommen, wo eine lange geplante Veranstaltungsreihe der Volkshochschule zum Nahostkonflikt durch den Oberbürgermeister Herbert Napp kurzfristig abgesagt wurde. Offenbar geschah dies, wie der Presse zu entnehmen war (Neuss-Grevenbroicher Zeitung, 27.01.2015), nach Intervention u.a. von Seiten der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf.

Wir sehen dies als ein weiteres Beispiel für die Verletzung der Informations- und Meinungsfreiheit, wie wir sie insbesondere im Zusammenhang mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt immer wieder beklagen müssen. Bei der Präsentation der „Nakba“-Ausstellung, die historische Fakten der Vertreibung von Palästinensern im Jahr 1948 fundiert darstellt, geschieht es zum Beispiel immer wieder, dass kurzfristig bereits vertraglich vereinbarte Räume gekündigt wurden, weil die Ausstellung angeblich Israel-feindlich sei.

Eine Haltung, die die Fehler und Menschenrechtsverletzungen der israelischen Besatzungsmacht in der Westbank, Gaza und Ostjerusalem verleugnen will, trägt in keiner Weise zum friedlichen Zusammenleben in dieser Region bei, sondern verlängert nur einen unhaltbaren Zustand der Gewalt. Nicht umsonst haben nach dem Ende des Apartheidregimes in Südafrika „Wahrheitskommissionen“ die Verbrechen aus der Zeit der weißen Alleinherrschaft aufgedeckt, denn nur hierdurch wurde ein friedliches, gleichberechtigtes Zusammenleben möglich.

Wir appellieren an die verantwortlichen PolitikerInnen, den Versuchen zu widerstehen, durch politischen Druck das Recht der Bürger zu untergraben, sich frei und umfassend zu informieren. An die jüdischen Gemeinden richten wir die Bitte, sich mehr mit den Forderungen der „Jüdischen Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost“, Mitglied unserer Koordination, zu befassen. Denn eine sichere und friedliche Zukunft der Bürger Israels wird es nur in einem gleichberechtigten Zusammenleben mit den Palästinensern geben können.

Von daher fordern wir die Stadt Neuss dazu auf, die Reihe wie geplant fortzusetzen und die Kritiker einzuladen ihre Blickwinkel durch weitere Veranstaltungen zu ergänzen.

Mit freundlichen Grüßen

Der Sprecherkreis von KoPI:

Gabi Bieberstein (Internationaler Versöhnungsbund., Deutscher Zweig, e.V), Beate Gilles (pax christi – Nahostkommission), Matthias Jochheim (IPPNW, Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.), Bernd Klagge (Vereinigung für Internationale Solidarität e.V.), George Rashmawi (Palästinensische Gemeinde Deutschland e.V.), Gisela Siebourg (Deutsch-Palästinensische Gesellschaft e. V.)

hier zum Download  >>>

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cropped-website-image-banksy-kopie1Stellungnahme bzgl. des Verbots der VHS Veranstaltungsreihe Nahost in Neuss und der damit einhergehenden Diffamierung des Vereins Handala e.b V.  >>>

Offener Brief vom Verein Flüchtlingskinder im Libanon e. V. an den Bürgermeister  >>>

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