Wir müssen Antisemitismus definieren, um ihn wirksam bekämpfen zu können

Eine Gruppe von prominenten britisch-jüdischen Akademikern und anderen Personen fordern eine Klärung des Begriffs Antisemitismus, Fr. 15. Juni 2018 

 

Überall in der Welt gibt es beunruhigende Zeichen, dass jahrhundertealte Vorurteile gegen Juden wieder zum Vorschein kommen. Wir müssen sie klar erkennen können und sie resolut bekämpfen. Eine Voraussetzung, um Antisemitismus wirksam zu bekämpfen ist Klarheit darüber, was er ist und was er nicht ist. Antisemitismus ist Diskriminierung, Vorurteil oder Feindschaft gegen uns, weil wir Juden sind. Es ist eine Form von Rassismus. Er kann sich in Gewalt äußern, in Versagung von Rechten, diskriminierenden Handlungen, vorurteilsbeladenem Verhalten, verbalen oder schriftlichen Äußerungen, negativen Stereotypen oder darin, Juden zum Sündenbock zu machen. Das Leugnen des Holocaust, Verleumdungen hinsichtlich blutrünstiger jüdischer Rituale, Verleumdungstheorien über vermeintliche jüdische Allmacht oder angebliche Bevorzugung von Juden weltweit – all das sind Äußerungen von Antisemitismus.

 

Kritik an Israel ist nicht antisemitisch, es sei denn, sie ist von anti-jüdischen Vorurteilen geleitet. Beispiele dafür sind: man hält alle Juden für die Handlungen des Staates Israel verantwortlich; man hält Verschwörungstheorien über den Staat Israel aufrecht, die auf antisemitischen Stereotypen über die vermeintliche Macht der Juden beruhen; man beschuldigt alle jüdischen Bürger, sie seien loyaler gegenüber Israel als gegenüber ihren eigenen Staaten.  

 

Kritik an Israel, an der Vertreibung der Palästinenser und der Verweigerung ihrer Rechte, ist nicht antisemitisch. Kritik, die Gesetze und Politik des Staates Israel als rassistisch bezeichnet und sie unter dem Begriff Apartheid erfasst, ist nicht antisemitisch. Der Aufruf zu Boykott, Desinvestment und Sanktionen gegen Israel, um gegen diese Politik Widerstand zu leisten, ist nicht antisemitisch.

 

Wir rufen alle öffentlichen Institutionen und Organisationen auf, diese Prinzipien anzuwenden, wenn sie Antisemitismus innerhalb ihrer Organisation ansprechen und wenn sie ihn in der Gesellschaft bekämpfen.

(Übers. Claus Walischewski)

Geoffrey Bindman
Ben Birnberg
DBA Epstein
Stephan Feuchtwang
Harvey Goldstein
Brian Klug
Peter Kosminsky
Mike Leigh
Malcolm Levitt 

Moshe Machover
Miriam Margolyes
David Mond
Susie Orbach
Laurance Pearl
Jacqueline Rose
Steven Rose
Michael Rosen
Douglas Ross

Donald Sassoon
Alexei Sayle
Justin Schlosberg
Lynne Segal
Avi Shlaim
Gillian Slovo
Annabelle Sreberny
John S Yudkin

Nira Yuval-Davis

https://www.theguardian.com/news/2018/jun/15/we-must-define-antisemitism-to-fight-it-effectively