Veröffentlichung eines BDS-Inserates von einer israelischen Zeitung markiert den Beginn einer Rückkehr der Gesellschaft zur Vernunft

Bis Israel die Besetzung von palästinensischem Land  beendet                                                          

Und die vollen und gleichen Rechte für palästinensische Bürger                                          

Sowie das Rückkehrrecht palästinensischer Flüchtlinge anerkennt                                                

BOYKOTT                                                       

Sie finden den vollen Text des Aufrufs der Boykott-Bewegung BDS auf bdsmovement.net                                 

Jewish Voice for Peace
US Campaign for Palestinian Rights
American Friends Service Committee
American Muslims for Palestine
National Students for Justice in Palestine
CODEPINK 

Ich bin weder politischer Analyst noch Wahrsager. Trotzdem möchte ich eine Vorhersage anmelden, damit ich zu gegebener Zeit darauf zurückkommen kann […]. Meine Vorhersage gründet sich darauf, dass Haaretz ein Inserat zur Unterstützung der BDS-Bewegung (Boykott, Investitionsentzug und Sanktionen) auf seiner Webseite erlaubt hat. Das Inserat wird von sechs Organisationen der Zivilgesellschaft in den USA gesponsert, deren Aktivistenführer die Einreise nach Israel untersagt worden ist. Ich denke, das ist ein herausragendes Ereignis, ein entscheidender Moment.

Für mich ist es ein Wendepunkt, das Pendel beginnt weg vom wachsenden Faschismus und hin zu einer weniger rassistsischen Meinung der Öffentlichkeit in Israel zu schwingen. Es ist der Beginn von Israels Rückkehr zur Vernunft, wahrscheinlich eine langsame, Jahrzehnte dauernde.

Das Inserat ist knapp und erstaunlich klar: Es fasst in prägnanter Form die drei Forderungen zusammen, die im internationalen humanitären Recht verankert sind und die die Vertreter der palästinensischen Zivilgesellschaft 2005 an die internationale Gemeinschaft gerichtet haben und seither nie aufgehört haben zu richten, um Israel unter Druck zu setzen, damit es das verwirklicht: „Bis Israel seine Besetzung von palästinensischem Land beendet Und die vollen und gleichen Rechte der palästinensischen Bürger Und das Rückkehrrecht für palästinensische Flüchtlinge anerkennt.“ Darauf folgt das Zeichen „BOYKOTT“ in Großbuchstaben und eine schematische Wiedergabe der Apartheidmauer mit einem Wachturm in der Mitte. Es schließt mit der Nennung der Sponsoren.

Haaretz ist eine ernst zu nehmende, solide zionistische Institution, die seit den Tagen der Balfour Deklaration überlebt hat. Es ist die älteste Zeitung, die in Israel kontinuierlich herausgegeben worden ist. In der Innenpolitik ist sie in der Parteipolitik neutral geblieben und hat eine strategisch mittige Position in der liberalen zionistischen Linken beibehalten. Ihre Geschäftsführung schien, vielleicht aus finanziellen Rücksichten, allen ihren Klienten gefallen zu wollen. Im Einklang mit einer solchen  Strategie hat sie es geschafft, die Tore ihrer Redaktion für militante Rechte und Fundamentalisten offen zu halten und hat in einer ausgleichenden Geste sogar fortgefahren Personen wie Gideon Levy und Amira Hass mit ihren anti-zionistischen Ansichten unterzubringen. Aber ihre Nachrichten und Auswahl der Berichterstattung schien nie weit von den israelischen Mainstream-Medien abzuweichen. Mit den wenigen genannten Ausnahmen waren auch die Strategien ihrer Redaktion eingepasst in das allgemein akzeptierte zionistische Dogma von der israelischen Einzigartigkeit und ihrer Verehrung der heiligen Kuh der Sicherheit und der westlichen Kultur. Psst, New York Times, Du bist als Nächste an der Reihe. […]

Ich hoffe, meine Vorhersage ist nicht bloß Wunschdenken. So seltsam es klingen mag, erkläre ich meinen palästinensischen Mitbürgern gelegentlich, dass das unser Schicksal und die uns von Gott zugewiesene Aufgabe ist, Israel von sich selbst zu retten. Wir kennen einander genug, um miteinander auszukommen, wenn wir dazu gezwungen sind. Wenn der ganze notwendige Kampf für einen, säkularen und demokratischen Staat hinter uns liegt, sollten wir es Haaretz hoch anrechnen, dass es uns geholfen und uns unterstützt und diesen Meilenstein von Inserat erlaubt hat.

Und Ahed Tamimi verdient ebenso unseren Dank, weil sie die Besatzung aus ihrem Vorgarten und aus dem Weg zu einem baldigen Frieden geschlagen hat. Happy Birthday, Ahed. Erinnere bitte alle an meine hoffnungsvolle Vorhersage.          Quelle      Übersetzung (gekürzt): K. Nebauer