Israelische und jüdische Kulturschaffende in Berlin wenden sich gegen politische Zensur

In einem von fast 80 Personen namentlich gezeichneten offenen Brief vom 25. Oktober 2016 wenden sich Kulturschaffende in Berlin gegen Verleumdungen anlässlich eines palästinensischen Kunstfestivals im Ballhaus Naunynstraße. In einem Bericht des Berliner Tagesspiegels wurde die Forderung nach Streichung öffentlicher Gelder erhoben, weil in dem Festival „After the Last Sky“ angeblich „anti-israelische Hetze“ toleriert und Gewalt verherrlicht worden sei. Unter anderem heißt es in dem offenen Brief:

 

„Wir, die Unterzeichner_innen, sind durchaus unterschiedlicher Meinung darüber, ob Begriffe wie „Apartheid“, „Kolonialismus“ und „ethnische Säuberung“ in Bezug auf die Geschichte und Gegenwart des Staates Israel zutreffend oder nützlich sind; wir haben auch unterschiedliche Positionen zum palästinensischen Aufruf nach Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen gegen den Staat Israel; wir stellen aber fest, dass die Diskussion über diese Begriffe und die Argumente der BDS-Bewegung, legitime Bestandteile einer öffentlichen Debatte über die politische Situation in Israel-Palästina sind.

Eine politische Zensur gegen Einzelpersonen und Kulturinstitutionen, die einen Raum für Kritik an der israelischen Politik anbieten, lehnen wir grundsätzlich ab. Die Einschüchterungseffekte die solche Drohungen nach sich ziehen, halten wir für desaströs für die Diskussionskultur in einer freien Gesellschaft. Sie verhindern im Übrigen die notwendige Debatte über die Mitverantwortung der Bundesrepublik Deutschland für die Situation im Nahen-Osten, insbesondere für die seit fast 50 Jahren andauernde israelische Besatzung.“