Wer verübte das schlimmste terroristische Verbrechen in Palästina und Israel?

Wann, wo und von wem wurde in Palästina oder Israel das schlimmste terroristische Verbrechen mit den meisten Toten ausgeführt? Das war wohl am 22. Juli 1946, als durch die Sprengung des King-David-Hotels in Jerusalem mindestens 91 Engländer, Juden, aber überwiegend Araber  durch die jüdische Irgun Miliz unter Führung des späteren israelischen Ministerpräsidenten Menachem Begin getötet wurden. Begin hat im Jahre 1956 sogar ein Killerkommando nach Deutschland geschickt, um Konrad Adenauer umbringen zu lassen. An der Vergangenheit dieses Top-Terroristen hat man nie Anstoß genommen und ihm sogar den Friedens-Nobel-Preis verliehen. Daran sollten diejenigen denken, die den Palästinensern vorwerfen, daß nach deren Widerstandskämpfern/Terroristen zum Beispiel Straßen benannt würden.

Eine der schlimmsten terroristischen Taten war die Ermordung des Präsidenten des Roten Kreuzes und Vermittlers der UN in Palästina, des schwedischen Grafen Folke Bernadotte am 17. 9. 1948 durch die radikal-zionistische Lehi-Gruppe, weil Bernadotte sich u. a. für die Rückkehr von gewaltsam vertriebenen Palästinensern einsetzte. Bei dem Attentat wurde auch der UN-Beobachter André Serot erschossen. Die Drahtzieher dieses Verbrechens erhielten von der israelischen Führung unter Ben Gurion eine General-Amnesty. In keiner Weise gewürdigt wurde, daß Folke Bernadotte rd. 20 000 Häftlinge einschließlich rd. 5000 Juden aus deutschen Konzentrationslagern gerettet hatte.

Auch der für mehrere Kriegsverbrechen, z. B. für die Massaker in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Schatila im Südlibanon mitverantwortliche Ariel Scharon wurde nie dafür zur Rechenschaft gezogen, sondern genießt in Israel weiterhin großes Ansehen.

Die Weltgemeinschaft hat sich ebenfalls an Ben Gurions Verantwortung für die gewaltsame und völkerrechtswidrige Vertreibung der Palästinenser nicht gestört. In Berlin wurde Ben Gurion sogar mit der Benennung einer Straße geehrt. Es wäre besser, diese Straße nach Dr. Leonore Goldschmidt zu benennen. Diese hatte es unter den Nationalsozialisten unter Ausnutzung von Gesetzeslücken geschafft, im Jahre 1934 eine Schule für jüdische Kinder zu gründen und zu betreiben, sowie viele Kinder vor einer Ermordung zu bewahren, wie zum Beispiel die ergreifende Fernsehdokumentation „Goldschmidts Kinder – Überleben in Hitlers Schatten“ zeigte. (Kann im Internet angesehen werden.) Zu den Schülern, deren Eltern es nicht gelang, auszureisen, gehörte die spätere jüdische „Greiferin“ Stella Goldberg, die untergetauchte Berliner Juden aufspürte und an die Gestapo verriet. Ihre Lebensgeschichte wurde von ihrem Mitschüler Peter Wyden (Weidenreich) in dem Buch „Stella“ nach jahrelangen Recherchen und mit großer Einfühlsamkeit beschrieben. Dabei geht es nicht nur um Stella Goldschlag, sondern auch um viele andere Schicksale und um weitreichende grundsätzliche Fragen mit einigen Parallelen zu Israel. Dies ist mir bewußt geworden, als ich das Buch jetzt zum zweitem Mal gelesen habe.

Ich füge noch ein Foto von Stella Kübler, geb. Goldschlag, das im Juli 1957 im Kriminalgericht Berlin-Moabit aufgenommen wurde, sowie einige Zeugenaussagen bei. (Quelle: „111 Orte, die man in Berlin gesehen haben muß“)

Auch unter den Palästinensern gibt es Menschen, die meistens durch Erpressung zu Kollaborateuren des israelischen Geheimdienstes wurden, als Informanten dienen und sogar bei der Ermordung von Widerstandskämpfern behilflich waren. Andere dienen als Strohmänner beim illegalen Kauf von palästinensischem Grundbesitz. Jedes repressive Regime bedient sich ähnlicher Methoden.

Zu den größten derzeitigen Terrororganisationen zählt sicherlich die israelische Besatzungsarmee im Dienste der israelischen Regierung. Deren verheerendestes Verbrechen war der Krieg gegen die Bevölkerung des Gasastreifens im Jahre 2014 mit der Tötung von rd. 2400 Männern, Frauen und Kindern sowie der Zerstörung ganzer Wohngebiete und der z. T. von der EU finanzierten Infrastruktur.

Verstärkte Unterdrückungskampagnen, offizieller und inoffizieller Rassismus, Landenteignungen und die Einschränkung der Bewegungsfreiheit haben in der letzten Zeit gegenüber palästinensischen Arabern mit israelischer Staatsbürgerschaft noch einmal verstärkt zugenommen. Die Palästinensische Mission in Berlin hat deshalb einen Aufruf zum Internationalen Solidaritätstag zur Unterstützung der Rechte der Palästinenser mit einer ausführlichen Beschreibung der gegenwärtigen Situation herausgegeben: >>> 

Siegfried Ullmann 1. Februar 2016

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Häufig waren Terroristen israelische Regierungsmitglieder, z. B. wie oben erläutert: Menachim Begin, Ariel Scharon. Vor kurzem wurde wieder mal ein Terrorist Regierungsmitarbeiter: Haggai Segal. Dazu ein Artikle von Felicia Langer:

Wie lange noch?!
Ich habe über den jüdischen Terror in „Haaretz“ und im „Palästina-Portal“ gelesen, über die Terroristen von damals und heute. Etwas, was mich zum Schreiben genötigt hat: Ich möchte zuerst über Bassam al Shaka schreiben, der damals in den 80er Jahren OB von Nablus war. Es war eine der schönsten und doch schrecklichsten Ereignisse in meiner Arbeit.

Man wollte Bassam ausweisen, nach einer gescheiterten Provokation. Aber der Verteidigungsminister sagte, er habe Beweise, dass Bassam eine Sicherheitsrisiko sei. Es war einer meiner schwersten Prozesse vor dem Obersten Gericht. Es war mir gelungen, die Ausweisung zumindest vorläufig zu verhindern. Ein rarer Erfolg.

Auf meinem Weg vom Obersten Gericht zu meiner Kanzlei versuchte jemand, mich zu überfahren…, mein Begleiter riss mich im letzten Moment zur Seite. Tatsächlich wurde die Ausweisungsanordnung nach etwa vier Wochen rückgängig gemacht. So etwas hatte es noch nicht gegeben.

Die Protestaktionen der Palästinenser waren beispiellos. Ich schreibe in „Zorn und Hoffnung“: „Nach Shakas Entlassung aus der Haft fuhr ich nach Nablus. Im dunklen Anzug mit Krawatte, umgeben von unzähligen Blumensträußen mit Glückwunschschleifen, saß er an seinem Schreibtisch im Rathaus.

Unablässig kamen junge und alte Menschen herein, drückten ihm die Hand, küßten ihn. Einer der Männer sagte zu mir, daß er die Schule, in der ich gelernt habe, segnen möchte. Bassam lachte, und ich sagte ihm, dass es die Hebräische Universität gewesen sei. »Macht nichts, denn Sie haben dort etwas gelernt«, sagte der Mann. Der Besucheransturm brach nicht ab, Delegationen und Einzelne, sie alle kamen mit strahlenden Gesichtern. Und Bassam saß ergriffen dazwischen, hörte sich die warmen Worte an, die an ihn gerichtet waren, unterzeichnete Telegramme, und in dieser Zeit dachte ich mir, daß ganz selten nur die Realität schöner noch als ein Traum ist.“

Kurze Zeit später begab ich mich wieder auf den Weg nach Nablus. Auch Michael, mein Sohn, sollte Bassam kennen lernen. Man hatte mir gesagt, dass er im Krankenhaus ist und man ihm die Beine amputiere… Ich war verzweifelt und sagte mir, dass sie es nun wohl doch geschafft haben! Die Rettung vor der Ausweisung hatte sich in einen Fluch verwandelt… Es war ein trauriger Tag, aber ich hatte die Solidarität und die Liebe des Volkes zu Bassam gesehen. 1982 wurde er seines Amtes enthoben, wie andere auch fällt es dem Besatzer offenbar schwer, Bürgermeister zu ertragen, die das besetzte Volk sich wünscht…

Ich habe die Gerichtsverfahren gegen die Terrorgruppe beobachtet, die enttarnt worden war. Ich war erbost über die Freudenfeste der Angehörigen, über die Liebe mit der die Angeklagten von allen Seiten überschüttet wurden, und über die Picknicks, die in den Gerichtspausen veranstaltet wurden. Diejenigen, die das Attentat gegen Bassam Shaka verübt hatten, zeigten keine Gefühle der Reue. Jehuda Etzion wurde nach seiner Entlassung zum Beauftragten für die Eingliederung der jüdischen Einwanderer aus der Sowjetunion ernannt. Jehuda Etzion gilt als Chefideologe dieser Terrororganisation und leitete die Vorbereitungen zur Durchführung der Attentate in Ramallah, el Bire und Nablus.

Heute, im Jahre 2016, erfährt man („Haaretz“ und „Palästina-Portal“), dass z.B. Haggai Segal, einer dieser Terroristen, der damals auch verurteilt worden war für die Attentate gegen Bassam Shaka und andere, jetzt durch Ajelet Shaked, die Ministerin, zum Organisator einer sehr wichtigen Aufgabe ernannt wurde: „An investgation of incitement in internet…“ Haggai Segal schreibt in seinem Buch „Dear Brothers“, das er im Gefängnis geschrieben hat, wie israelische Politiker wie Begin, Rafael Eitan und Benyamin Ben Elieser mit dem Untergrund sympathisieren. Haggai Segal und seine zwei Söhne, Journalisten, erklären, dass Segal nur für die Attacke auf die Bürgermeister verantwortlich war. Aber mit: „the mayors are evil doers, without a doubt.“ und „If you would have done a poll, you would have seen that most of the public did not like Bassam al Shaka and Karim Khalaf.“ erklärt er sich frei von Schuld.

Wenn ich das jetzt lese, denke ich an die Tausende in Nablus, die ich mit eigenen Augen gesehen habe, die ihre Liebe und Anerkennung für Bassam al Shaka zum Ausdruck gebracht haben. Und Haggais Söhne? Für sie ist das Attentat gegen Bassam kein Verbrechen…

So ist die Lage Jahrzehnte danach. Wie lange noch?

Quelle: Palästina Portal >>>

Ein weiterer Artikel: Meet Haggai Segal, Israel’s terrorist journalist >>>