„Erwähne Palästina nicht noch einmal!“ Vortrag von Renen Raz in Bonn

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Renen Raz, ein jüdischer Israeli war im September auf Vortragsreise in Deutschland, unter anderem in Bonn, wo dieser Bericht entstand:

Wie muss es sein, in einem Land zu leben, das selbst Kindern und Jugendlichen schon Denkverbote auferlegt? Wie muss es sein, in einem Land zu leben, das einen großen Teil seiner Bevölkerung systematisch diskriminiert? Wie muss es sein, in einem Land zu leben, das sich zum Schutzherrn der Ewigverfolgten erklärt hat, gleichzeitig jedoch Menschen aufgrund ihrer Andersartigkeit Gerechtigkeit vorenthält?

Auf diese Fragen versucht Renen Raz auf einer Vortragsreise quer durch Europa Antworten zu geben, die ihn am 06.09.2015 auch ins MIGRApolis-Haus der Vielfalt geführt hat.

Raz, der sich selbst als Kibbuzik, Verweigerer, Menschenrechts- und LGBT (Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender)-Aktivist identifiziert, wurde 1989 in einem Kibbuz in Israel geboren. Er geriet nach eigener Darstellung schon früh mit der israelischen Leitkultur in Konflikt: So wurden Fragen nach den palästinensischen Menschen, von deren Häusern der junge Renen noch Ruinen fand, rigoros abgewehrt; auch wenn sie ein gerade mal 12-jähriger Junge stellte. Mit kaum 15 Jahren entschied sich Raz zur Kriegsdiensttotalverweigerung, was in Israel einem gesellschaftlichen Sakrileg gleichkommt und ihm, neben der Bescheinigung einer geistigen Krankheit, sowohl berufliche als auch private Nachteile einbrachte.

Raz veranschaulicht anhand zahlreicher Beispiele und persönlicher Ankedoten, welchen strukturellen Diskriminierungen sich nicht-jüdische Menschen in Israel gegenübersehen. Sei es bei der Unterscheidung in der israelischen ID-Card, die für die Polizei als maßgebliches Kriterium beim Umgang mit Demonstrierenden gilt; sei es bei der Frage, ob gegen Zivilpersonen Militärrecht oder Zivilrecht angewandt wird; sei es bei der Versorgung mit dem Nötigsten, wie Wasser, Strom und medizinischer Versorgung – der Aktivist findet viele Punkte, um das Verhalten des israelischen Staates zu kritisieren. Unter dem Schlagwort des pinkwashing verweist er darauf, dass die Rechte der LGBT-Gemeinschaft in Israel, insbesondere in Tel Aviv, nicht dem Bild, das in der breiten Öffentlichkeit existiert, entsprächen.

Um gegen die von ihm benannten Missstände zu protestieren, hat sich Raz der Initiative BDS (Boycott, Desinvestment, Sanction) angeschlossen, die durch den Abzug finanzieller Mittel Druck auf Israel ausüben möchte. Zum Ende seines Vortrages bat er um die Unterstützung der Anwesenden für diese Initiative, nicht jedoch ohne klarzustellen, dass diese Maßnahmen nicht aus antisemitischen Gründen geschehen, sondern weil es die „Repräsentanten des israelischen Systems“ treffen würde.

Renen Raz versteht es auf eindringliche Weise, seine Lebenssituation zu beschreiben und als jüdischer Israeli von „innen“ Kritik am politischen System Israels zu äußern, indem er sich mit palästinensischen Menschen und deren Problemen solidarisiert.

Quelle: http://www.migrapolis-deutschland.de/index.php?id=2736 (8.9.2015)

Weitere Informationen:

Mein Name ist Renen Raz …

Ich lebe in Tel Aviv, wuchs aber in einem Kibbuz an der Grenze zu Gaza auf, das auf den Trümmern von Huj, eines palästinensischen Dorfes gebaut wurde.
Ich bin ein israelischer Menschenrechts-Aktivist, ein Dissident, ein arabischer Jude und ein schwuler Mann. …

Den vollständigen Text finden Sie hier wieder:
http://www.ipk-bonn.de/downloads/mein-name-ist-renen-raz.pdf

Ausserdem ein Video:  >>> 

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