Neue Gaza-Solidaritäts-Flotilla

gaza-flotilla»Wir fahren mit einer klaren Botschaft nach Gaza«

Ein neuer Hilfskonvoi soll die Blockade durchbrechen. Solidaritätsbewegung mit Palästina wirbt dafür, Israel auf dem Meer und vor Gerichten herauszufordern. Ein Gespräch mit Ehab Lotayef.

Der Kanadier Ehab Lotayef ist Sprecher von Canadian Boat to Gaza und Mitglied der Freedom Flotilla Coalition. 

Ihr Bündnis hat sich mit mehreren Veranstaltungen am Weltsozialforum beteiligt, das am Samstag in Tunis zu Ende ging. Dabei ging es auch um eine neue »Freiheitsflotille« für den von Israel blockierten Gazastreifen. Die beiden ersten Versuche waren gescheitert – woher nehmen Sie den Mut für einen dritten Anlauf?

Nach dem verheerenden Angriff Israels auf den Gazastreifen im Sommer 2014 sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir unsere Anstrengungen verstärken müssen, die israelische Blockade zu beenden. Neben den massiven Verwüstungen, die das 50tägige Bombardement hinterlassen hat, herrscht in Gaza nach wie vor Mangel an Gütern und Materialien zur Deckung des täglichen Bedarfs. Der Hafen bleibt abgeriegelt, und den 1,8 Millionen Einwohnern wird ihr Recht auf Bewegungsfreiheit weiterhin verweigert. Über 100.000 Menschen haben durch die israelischen Angriffe ihr Dach über dem Kopf verloren, fast eine halbe Million hat durch Zerstörungen der Infrastruktur keinen Zugang zur kommunalen Wasserversorgung. Gespräche über die Aufhebung der Belagerung und die Öffnung der Grenzen, denen Israel nach Vermittlung eines Waffenstillstands durch Ägypten im August zugestimmt hatte, kamen bislang nicht zustande. Statt dessen blockiert die israelische Regierung den Wiederaufbau. Auch die internationale Gemeinschaft hat ihre Verpflichtungen gegenüber Gaza nicht erfüllt.

Angesichts der katastrophalen humanitären Situation und der Weigerung der Regierungen vor allem in Nordamerika und Europa, Israel für den Schaden, den seine Streitkräfte im Gazastreifen verursacht haben, zur Verantwortung zu ziehen, haben wir uns entschlossen, mit einer klaren Botschaft nach Gaza zu fahren: Die einzige Lösung ist die Aufhebung der Blockade. Die Palästinenser müssen Handel treiben und ihre Wirtschaft selbstbestimmt entfalten können. Es ist also mehr eine politische Aktion als eine humanitäre.

Aber ist die Strategie nicht gescheitert, die Blockade von See her zu brechen?

Unser Ziel, die Blockade zu beenden, haben wir natürlich noch nicht erreicht. Davon zu sprechen, dass die Strategie gescheitert ist, ist aus meiner Sicht aber zu pessimistisch. Zahlreiche Aktivisten aus vielen Teilen der Welt sind an den Vorbereitungen für diesen erneuten Konvoi beteiligt, der allerdings wohl etwas kleiner ausfallen wird als der zweite. Der sollte 2011 mit gut einem halben Dutzend Schiffen nach Gaza aufbrechen, wurde aber von der griechischen Küstenwache am Auslaufen gehindert.

Von zahlreichen Privatpersonen sowie von Gewerkschaften und Organisationen aus den sozialen Bewegungen bekommen wir viel Unterstützung. Wir machen das auch, um Regierungen und Medien dazu zu zwingen, sich mit der Belagerung Gazas und der Besatzung auseinanderzusetzen.

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