Dringender Appell für die Palästinenser im Flüchtlingslager Yarmouk in Syrien

Heute erreichte mich ein Appell aus Yarmouk bei Damaskus, der mich aus Äußerste beunruhigt.
Yarmouk war ursprünglich ein Lager für 1948 und 1967 geflohene Palästinenser am Stadtrand von Damaskus, das sich mit der Zeit zu einer eigenen Stadt mit über 100.000 Einwohnern, ganz überwiegend Palästinensern, entwickelte.
Von der syrischen Regierung geduldet, führten die Menschen ein einigermaßen normales Leben.
Das änderte sich mit dem Beginn des Bürgerkrieges vor etwa drei Jahren, da sich ein Teil der Bewohner den Aufständischen innerhalb der „Freien Syrischen Armee“ anschlossen. Seitdem wurde das Lager zum Spielball zwischen Regierungstruppen und  bewaffneten Aufständischen.
Zehntausende haben versucht, die wiederholten Blockaden zu durchbrechen und aus der zerbombten Stadt zu fliehen; die bis heute noch verbliebenen knapp 20.000 Menschen leiden seitdem unter Hunger und Seuchengefahren.
 
Die in dem aktuellen Appell ans Rote Kreuz geschilderte verzweifelte Notlage hängt offenbar mit einer Auseinandersetzung zwischen eindringenden Truppen der IS – ISIL (Islamische Armee) mit Bewaffneten der sogenannten Freien syrischen Armee zusammen, die das Lager verteidigen. Die Gefechte sollen am 1. April begonnen haben und andauern. Laut BBC sollen die IS-Truppen das Camp zunächst eingenommen haben und dann zurückgedrängt worden sein.
 
Den weiter unten abgedruckten englischen  und von mir ins Deutsche übersetzten Appell an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (ICRC) hat Muhammad Tamim weitergeleitet. Ihm gelang vor kurzem unter dramatischen Umständen die Flucht aus Yarmouk; er ließ Familienangehörige und Freunde zurück. Zur Zeit lebt Muhammad Tamim in einem Notaufnahmelager im Ruhrgebiet. Wie die meisten ursprünglich aus Palästina und jetzt aus Syrien geflohenen Menschen besitzt er keine Staatsangehörigkeit und hat deshalb kaum Chancen, als Flüchtling anerkannt zu werden.  
 
Mit ihm, dem ca. dreißigjährigen Musiker und Tänzer, hat das unsägliche Leid der Bürgerkriegsflüchtlinge für mich ein Gesicht bekommen. In seinem Namen leite ich den verzweifelten Hilferuf aus Yarmouk weiter mit der Frage: Was können wir tun?
 
Viele von uns wünschen einander in diesen Tagen „Gesegnete Ostern“. Welchen Segen gibt es für die leidenden Menschen in Yarmouk?
 
Mit Friedensgrüßen
Ulrike Vestring
FrauenWegeNahost
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Infos über Yarmouk:
 

UN plea to save Palestinian refugees trapped in Syrian camp being shelled as Isis seizes control  >>> 

If only there was oil under Yarmouk  >>> 

400 Familien aus Al-Yarmuk-Flüchtlingslager in Sicherheit gebracht  >>> 
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Foto: UNRWA Januar 2014: Palästinenser im Flüchtlingslager Yarmouk warten bei der Essensausgabe.