Nakba-Ausstellung „Flucht und Vertreibung der Palästinenser“

Palaestinenser_innen auf der Flucht, wiki Siedlerkolonialismus – Ilan Pappe in Bremen Der Vortragssaal im Überseemuseum in Bremen war, wie schon die Eröffnungsveranstaltung der Nakba-Ausstellung, bis auf den letzten Platz und darüber hinaus gefüllt. Am 1. März 2015 referierte der israelische Historiker Prof. Ilan Pappe über “Die Vertreibung der Palästinenser”.

Er referierte völlig frei und immer überaus freundlich und verbindlich in einem sehr gut verständlichen Englisch, das kompetent von dem Übersetzer-Tandem Doris Flack und Claus Walischewski übersetzt wurde. Die zentrale These von Ilan Pappe lautet: das zionistische Projekt für den Staat Israel ist im Kern das Projekt eines Siedlerkolonialismus. Wenn heute in vielen Gruppen über einen möglichen Rahmen für einen möglichen Frieden im Nahen Osten nachgedacht würde, müssten, so Ilan Pappe, diese historischen Tatsachen der Gründung des Staates Israel unbedingt berücksichtigt werden. Wie in der Medizin wäre ohne eine richtige Diagnose keine richtige Therapie möglich. Die Krankheit aber ist der Siedlerkolonialismus. Er würde nicht von allein enden, weil es keinen Impuls, keine Motivation und kein historisches Beispiel dafür gäbe, dass Siedler, die in einem Land lebten, das anderen gehört, ihr Projekt wieder beenden würden. Deshalb geschehe es nicht aus Versehen, dass die Westbank und der Gazastreifen besetzt worden wären. Sondern umgekehrt. Die zionistischen Führer hätten auf die Gelegenheit seit 1948 gewartet und der Sechs-Tage-Krieg 1967 wäre diese Gelegenheit gewesen. Die allgemeine zionistische Überzeugung wäre gewesen, dass Israel als jüdischer Staat nur existieren könne, wenn der Jordan im Osten die Grenze bilden würde und das ganze historische Palästina dem Staat Israel einverleibt werden könne.

Man merkte an den Reaktionen, dass für viele im Publikum diese harten Thesen über den Staat Israel äußerst ungewohnt waren. Dabei wurden sie von dem Referenten mit einer geradezu entwaffnenden Freundlichkeit und Verbindlichkeit vorgetragen. Die anschließende lange Diskussion (sie dauerte fast eine Stunde) war äußerst lebhaft und kontrovers. Fast alle strittigen Fragen (Zwei-Staaten-Lösung, Ein-Staat-Lösung, der Holocaust, die besondere Verpflichtung und Schuld der Deutschen, der Antisemitismus und der Antizionismus, Israel und die Vereinten Nationen, die Verhältnisse innerhalb der palästinensischen Gruppierungen, der letzte Gaza-Krieg usw.) wurden zur Sprache gebracht. Zum Schluss wurde Ilan Pappe gefragt, wie denn seine roadmap für einen Frieden in Israel aussehen würde. Seine Antwort: das Wort “roadmap” liebe er nicht, aber er hätte eine Vision anzubieten. Israel müsste und könnte ein multiethnischer, multikultureller und demokratischer Staat werden. Dahin wäre aber ein weiter Weg zurückzulegen mit einigen fundamentalen Veränderungen im israelischen Staatsverständis. Vor allem würde das den Abschied von der zionistischen Ideologie bedeuten.

Quelle: Junge Welt >>>  

Ich möchte hinweisen auf einen halbstündigen Mitschnitt dieser überaus interessanten Veranstaltung auf youtube. >>>
mehr Infos über die Nakba-Ausstellung die begleitenden Veranstaltungen: >>> 

Flüchtlinge Geschichte Termine Termine-nicht-Reise