Vier Palästinenser und eine Deutsche bei Protest in Hebron mit scharfer Munition angeschossen

Hebron-angeschossenPressemitteilung von ISM – International Solidarity Movement: Vier Palästinenser und eine deutsche Demonstrantin bei Protest in Hebron mit scharfer Munition angeschossen

Am 27.Februar 2015 eröffneten israelische Soldaten im besetzten Al-Khalil (Hebron) das Feuer auf gewaltfreie Demonstrant*innen, die am jährlichen Protest für die Öffnung der Shuhada Straße teilnahmen und verletzten fünf von ihnen durch scharfe Schüsse, darunter vier palästinensische Aktivisten und eine deutsche Staatsangehörige.

Annähernd tausend Palästinenser*innen, begleitet von israelischen und internationalen Unterstützer*innen, marschierten mit Transparenten und Fahnen in Richtung einer der abgesperrten Eingänge der Shuhada Straße. Sie riefen dazu auf, die Besatzung zu beenden und die Shuhada Straße wieder zu öffnen, deren Absperrung für die Palästinenser*innen zu einem Symbol des israelischen Apartheidsystems geworden ist. Armee und Grenzpolizei sperrten die zur Shuhada Straße führenden Wege ab und griffen die Demonstration mit scharfer Munition, gummi-ummantelte Stahlkugeln und Schockgranaten an. Dabei wurden insgesamt etwa 20 Demonstrant*innen verletzt, von denen nach Angaben des Hebron Krankenhauses sechs eingeliefert wurden und zwei operiert werden mußten. Ein 25jähriger palästinensischer Aktivist wurde während der Demonstration verhaftet, obwohl er lediglich ein Protestschild gehalten und Forderungen gerufen hatte.

Issa Amro, der Koordinator und Mitbegründer der Organisation Youth Against Settlements (YAS) erklärte: “Der Protest, an dem sich Gruppen aus ganz Palästina beteiligt haben, fand anläßlich des 21. Jahrestages des Massakers in der Ibrahimi Moschee statt. Die israelischen Besatzungskräfte haben mit scharfer Munition auf friedliche Demonstranten geschossen, was ein Bruch des internationalen Rechts ist. Die israelische Armee sollte dafür vor dem internationalen Gerichtshof zur Verantwortung gezogen werden.

Leigh, ein Aktivist aus Kanada, war bei Julia, einer 22jährigen deutschen Aktivistin aus Berlin, als sie angeschossen wurde: “Julia stand neben mir und filmte, als sie plötzlich zu Boden viel.” Julia, die ins Hebron Krankenhaus evakuiert wurde und dort wegen ihrer Schußverletzung am Bein behandelt wird, sagt über das Vorgehen der Soldaten “Die Brutalität der israelischen Armee ist unglaublich und es scheint, dass sie keine Grenzen haben. Ich habe in Palästina erlebt, wie mit Tränengas, Schockgranaten, gummi-ummantelten Stahlkugeln und scharfer Munition gegen jede Art von Protest gegen die Besatzung vorgegangen wird. Es spielt gar keine Rolle, ob es sich um eine friedliche Demonstration handelt oder Kinder anwesend sind. Gestern war ich Zeugin, als die Armee Kinder angriff, die auf der Straße getanzt haben. Heute haben sie mich angeschossen, während ich da stand und filmte. Es scheint, als ob die Soldaten einfach auf jeden schießen.”

Die jährliche Demonstration zur Wiedereröffnung der Shuhada Straße findet anlässlich des Jahrestages des Massakers in der Ibrahimi Moschee im Jahr 1994 statt, bei dem der rechtsextremistische Siedler Baruch Goldstein 29 Palästinenser ermordete, während sie in der Mosche beteten. Nach dem Massaker zwang die israelische Armee die palästinensischen Geschäfte in der Shuhada Straße, die bis dahin das wirtschaftliche Zentrum Hebron war, zu schließen. In der Folge wurden immer weitere Restriktionen durchgesetzt, so daß der größte Teil der Straße seit Jahren für Palästinenser*innen total gesperrt ist. 21 Jahre nach dem Massaker können die Siedler*innen der illegalen Siedlungen die Straße frei benutzen, während Palästinenser*innen angegriffen, beschossen und festgenommen werden, wenn sie bei der jährlichen “Open Shuhada Street” Demonstration versuchen, sich der Straße kollektiv zu nähern.  >>>

Für weitere Information
Julia, verletzte deutsche Aktivistin (970) 59 5709419
Leigh, kanadischer Menschenrechtsaktivist (970) 59 5035748
Kestrel Canto, ISM Medin Koordinator (970) 599340549, palreports3(Ersetze diesen Einschub durch das Email-Zeichen.)gmail.com
Issa Amro, Youth against Settlement (970) 59 9340549

Hintergrundinformationen:
Bericht über die Folgen der jahrelangen Absperrung der Shuhada Straße in Hebron >>>

Bericht über das Massaker in der Ibrahimi Moschee und seine Folgen >>>

UN Bericht zur Situation der palästinensischen Einwohner*innen der H2
Zone unter israelischer Kontrolle in Hebron >>>

Auf Anfrage stellt ISM weitere Fotos und Videomaterial zur Verfügung.