Wie war 2014 für palästinensische Kinder?

soldat-kind-omaFür viele Beobachter des israelisch-palästinensischen Konflikts bleibt 2014 in Erinnerung wegen der Bilder aus dem Gazastreifen, die in die Welt gesendet wurden. Diese Bilder zeigten Kinder, die vor den schweren Bombardements des israelischen Militärs flohen und mit ihren Familien in den überfüllten UN-Schulen Zuflucht suchten oder sich in den überlasteten Krankenhäusern von Gaza erholten. Unter den tragischsten (Bildern) waren die von den Leichen der vier kleinen Jungen zwischen 7 und 11 Jahren, die von den Projektilen der israelischen Marine ermordet wurden, als sie während der Offensive an einem Strand von Gaza spielten.

Aber das Leiden der palästinensischen Kinder beschränkte sich nicht auf die 50-tägige Offensive gegen den Gazastreifen, auch nicht auf die geografischen Grenzen der Küstenenklave. Im Westjordanland einschließlich Ost-Jerusalem waren es die palästinensischen Kinder, die den höchsten Preis für die andauernde israelische Militärbesatzung zahlten.

Massenhafte Verletzungen der Kinderrechte quer durch die besetzten palästinensischen Gebiete führten zu zahlreichen Todesfällen und Verletzungen sowie zu psychologischem Trauma infolge der Politik der Kollektivstrafe, die Kindern ebenso wie die Hausrazzien und -zerstörungen zusetzten.

Hier sind fünf Faktoren, die palästinensische Kinder 2014 nach den Beobachtungen von DCI-Palestine am meisten zusetzten:

Gewalt in Gaza

Nach den Nachforschungen von DCI-Palestine haben in der 50-tägigen Militäroffensive (Protective Edge), die weite Teile des Gazastreifens platt gemacht hat, mindestens 480 Kinder ihr Leben verloren. Ein Fünftel der 2.205 Palästinsner, die während des Konflikts getötet wurden, waren Kinder. Viele tausende Kinder wurden verwundet, von ihnen werden etwa 1.000 dauernd behindert bleiben.

Die hohe Zahl der Todesfälle von Kindern und Zivilisten wirft kritische Fragen auf über die unverhältnismässige Anwendung von Gewalt durch das israelische Militär und das rechtswidrige Zielen auf Standorte, die nach internationalem Recht geschützt sind, wie Schulen, Krankenhäuser und Schutzräume. Die Hohe Komissarin für Menschenrechte der UN, Navy Pillay, hat öffentlich gesagt, dass vom israelischen Militär vermutlich Kriegsverbrechen begangen worden sind.

DCI-Palestine hat auch einen Fall dokumentiert, in dem das israelische Militär ein palästinensisches Kind als menschlichen Schutzschild mißbraucht hat. Es handelte sich um einen 16-j. Jungen, der fünf Tage lang festgehalten und körperlich mißhandelt wurde und Tunnels im Gazastreifen durchsuchen mußte.

Obwohl die Medien sich auf die Gewalt in diesem Konflikt konzentrierten, wurden Todesfälle und Verwundungen bereits vor Beginn der Operation Protective Edge aufgezeichnet. Vor dem Beginn des Konflikts verloren drei Kinder ihr Leben durch israelischen Beschuss oder Luftschläge, mindestens 43 wurden unter ähnlichen Umständen verwundet.

Nach dem Ende der Offensive wurde der Wiederaufbau eingeschränkt, obwohl die Lockerung der Blockade ein Schlüsselfaktor für das Zustandekommen eines Waffenstillstands gewesen war. Kinder, die während des Konflikts vertrieben worden waren, blieben im Winter, der im Gazastreifen weite Überschwemmungen mit sich brachte, in den Zufluchtsräumen.

Militärhaft

Militärhaft ist für hunderte palästinensische Kinder jedes Jahr Realtität, wo sie physischer und psychischer Gewalt ausgesetzt sind, ihr Schulunterricht unterbrochen, ihre seelische Gesundheit beeinträchtigt wird und viele Familien unter Stress geraten. Das war auch 2014 der Fall.

In diesem Jahr waren pro Monat durchschnittlich 197 Kinder in israelischer Militärhaft, gegenüber 2013 mit 199 pro Monat weitgehend unverändert. Diese stabile Zahl verdeckt aber den Wechsel im System zu einem harten Durchgreifen bei der palästinensischen Jugend im zweiten Halbjahr 2014.

Im September erschien ein neuer Militärbefehl bezüglich der Beachtung der Kinderrechte in den Verhören von Kindern in den besetzten palästinensischen Gebieten. Bei näherer Prüfung wird aber klar, dass Kinder, die wegen Steine werfen festgenommen werden – das ist die Mehrheit der Kinder, die in das israelische Miitärjustizsystem verstrickt sind – durch das neue Gesetz nicht geschützt werden.

Im November verabschiedete das israelische Kabinett eine Gesetzesvorlage, nach der die Höchststrafe für Steinewerfen auf 20 Jahre ausgeweitet wird, so wie die Höchststrafe für Totschlag. Diese Gesetzesvorlage wird auch auf Kinder angewendet.

Im Hintergrund dieser Entwicklungen dauert mit der Anwendung von Isolationshaft als Mittel zum Erzwingen von Geständnissen und der willkürlichen Anwendung von Hausarrest die Nichtbeachtung der Rechte der palästinensischen Kinder nach der Kinderrechtskonvention an.

Siedlergewalt

Israelische Siedler […] greifen seit langem Palästinenser und auch Kinder an. Im Juni veröffentlichte DCI-Palestine einen Bericht, in dem es Vorfälle von Siedlergewalt schildert, die 2014 stattgefunden haben, einschließlich Angriffen auf Kinder auf dem Schulweg oder auf Schulgebäude während des Unterrichts.

Der Bericht erwähnt besonders die implizite Kooperation von Soldaten bei den Angriffen der Siedler, einschließlich Fällen, in denen Soldaten entweder die offenkundigen Angriffe ignorierten oder sogar an den Gewalttaten teilnahmen.

In seiner Dokumentation von Siedlergewalt fand DCI-Palestine, dass zwischen 2008 und 2011 129 Fälle von Siedlergewalt an Kindern registriert worden sind. Die Ankündigung weiterer 1.000 neuer Wohnungen für Siedler in Ost-Jerusalem wird palästinensische Kinder weiterer Gewalt aussetzen, da sich die Zahl der israelischen Siedler in den besetzten palästinensischen Gebieten weiter erhöht.

Scharfe Munition und Todesfälle quer durch das Westjordanland

Mindestens 11 palästinensische Kinder haben im Westjordanland einschließlich Ost-Jerusalem durch Schüsse israelischer Soldaten mit scharfer Munition ihr Leben verloren. Todesfälle nahmen nach dem Mord an den drei israelischen Teenagern im Westjordanland im Juni zu, so wie der Rachemord an dem 16-j. Palästinenser Mohammad Abu Khdeir Anfang Juli. Dies und der Konflikt in Gaza im Juli und August führte zu einem Ansteigen der Proteste und einem harten Durchgreifen des israelischen Militärs bei der palästinensischen Jugend in Ost-Jerusalem.

In Ost-Jerusalem und der Westbank stationierte israelische Streitkräfte wenden routinemäßig exzessive Gewalt an, um Menschenansammlungen zu zerstreuen, und setzen dabei auch scharfe Munition ein, was zu Verletzungen und Todesfällen bei Kindern geführt hat. Scharfe Munition darf nach den Regeln des israelischen Militärs nur in Siatuationen eingesetzt werden, in denen ein Soldat direkt und tödlich bedroht ist. DCI-Palestine hat bisher keinen Beweis dafür gefunden, der nahe legen würde, dass die 2014 getöteten Kinder zur Zeit ihrer Erschiessung eine solche Bedrohung dargestellt hätten.

Im Mai wurden zwei Teenager, Nadeem Nawara und Mohammad Salamah Abu Daher, mit scharfer Munition erschossen, als sie vor dem Ofer-Militärgefängnis in Beitunia/Westbank demonstrierten. Aufnahmen des Geschehens bei CCTV und Nachrichten(sendern, Ü.) zeigten eindeutig, dass beide Jungen zu dem Zeitpunkt, in dem sie während einer Pause bei der Demonstration erschossen wurden, unbewaffnet waren. Anschließend bestritten israelische Beamte erst die Rechtmäßigkeit des Video-Beweises, dann stritten sie Wochen später kategorisch ab, dass während der Proteste scharfe Munition eingesetzt worden sei, obwohl bewiesen war, dass beiden Teenager mit scharfer Munition getötet worden waren.

In einem ungewohnten Schritt der israelischen Behörden wurde ein Grenzpolizist für den Mord an Nadeem wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Für die anderen Kinder, die 2014 starben, bleibt Gerechtigkeit aber unwahrscheinlich: kein Soldat oder Grenzpolizist wurde wegen ihres Todes angeklagt.

Kollektivstrafe

Die israelische Politik der Kollektivstrafe an der zivilen Bevölkerung einschließlich der Kinder bestand weiter im gesamten besetzten palästinensischen Gebiet. Während des tödlichen israelischen Angriffs auf Gaza wurde die Mehrzahl der Kinder getötet, als ihr Zuhause von israelischen Raketen bombardiert wurde. In einem Fall starben 18 Kinder derselben großen Familie zwischen 4 Monaten und 14 Jahren, als ihr Zuhause bei einem israelischen Luftschlag bombardiert wurde, der, wie die Behörden behaupteten, einem Hamasmitglied galt, der das Gebäude zu dieser Zeit aufsuchte.

Im Westjordanland genehmigten israelische Behörden regelmäßig Hauszerstörungen von Personen, die eines Verbrechens verdächtig, aber nicht überführt waren. Die Zerstörung eines Hauses, in dem Kinder leben, trägt zu einem psychologischen Trauma, zur Unterbrechung des Schulunterrichts und zu einer signifikanten Notlage bei und wurde in den letzten Jahren von Menschenrechtsgruppen verurteilt.

Quelle: >>>

Übersetzung: K. Nebauer    

—————————————————

7.110 Politische Gefangene in israelischer Haft  >>> 

Children in israeli Military Detention. Observations and Recommendations (UNICEF, Feb. 2013) >>>

Israel detained 1,266 Palestinian children in 2014 –  >>>
Sammlung: Kinderschicksale in Palästina (Palästina-Portal) >>>

—————————————————

Israelische Soldaten hetzen einen Hund auf ein palästinensisches Kind Das Video zeigt eindeutig, wie israelische Soldaten Hunde einsetzen, die dazu abgerichtet sind, palästinensische Kinder anzugreifen. – In diesem Video, das in sozialen Netzen und sogar auf der Webseite des israelischen Tageszeitung Ma’ariv veröffentlicht wurde, sieht man israelische Soldaten der Einheit Uketz, die den Hund der Einheit aufhetzen ein palästinensisches Kind anzugreifen, während andere es trotz seiner Angstschreie halten, damit es nicht vor dem Hund weglaufen kann. Man hört im Video klar die Stimme des Soldaten, der den Hund aufhetzt das Kind anzugreifen und der das Kind als „Feigling“ beschimpft.

Als der Komandant der Einheit (ein hoher Offizier) später von der Presse interviewt und zu dem Video befragt wurde, sagte er, der Einsatz von Hunden sei etwas „Akzeptables“ und „Logisches“, schon weil es weniger Schaden anrichte als die Schüsse, die die Militärs für gewöhnlich gegen Palästinenser einsetzen. Der israelische Offizier erkannte an der Stimme des Soldaten, der den Hund aufhetzt, dass es einer seiner Soldaten war. >>> Übersetzung: K. Nebauer

WATCH: Soldiers taunt, set dogs on Palestinian teen

Israeli army decries video showing soldiers taunting and setting dogs on Palestinian, despite it being IDF policy.

A leaked video showing a 16-year old Palestinian being attacked by two canines, while being held by two IDF soldiers, was posted on Facebook on Monday by former Knesset member and far-rightist Michael Ben-Ari (who later removed it). It quickly spread around the web and made headlines in Israel.  >>>