Israel – Palästina | Kurze Basisinformationen zur Geschichte

Palaestinenser_innen auf der Flucht, wikiFakten über die Gründung des Staates Israel, über die Vertreibung der Palästinenserinnen und Palästinenser und über den Krieg im Juni 1967 sind in Deutschland leider wenig bekannt. In Medien wurde und wird diese Vergangenheit häufig so dargestellt, als wäre Israel bedroht gewesen. Dies entspricht jedoch in keiner Weise den Tatsachen. In diesem Artikel werden wichtige Basisinformationen zusammen gestellt. Vertiefend kann auf gute Bücher und Broschüren1 zurückgegriffen werden.

Palästina unter der Herrschaft der Briten

Die britische Herrschaft über Palästina dauerte von 1922 bis 1948 und unterstützte viele Jahre lang die jüdische Einwanderung. 1946 waren 6 % des damaligen britischen Mandatsgebiets Palästina im Eigentum der zionistischen Bewegung (weißes Gebiet auf der ersten Landkarte der Grafik unten), die einen Staat für Jüdinnen und Juden in Palästina wollte. Das übrige Land war in palästinensischem Privat- oder Gemeineigentum.

Der UN-Teilungsplan von 1947

vertreibung palästinenser-Karten11_smallDie UN-Vollversammlung empfahl in ihrer Resolution 181(II) 2, ca. 55 % des Landes der zionistischen Jüdischen Agentur zuzusprechen – und das obwohl nur ein Drittel der Bevölkerung jüdisch war. Jerusalem sollte unter internationaler Kontrolle eine Sonderstellung erhalten. Allerdings ist in dieser Resolution keine Rede davon, dass Menschen umgesiedelt oder gar vertrieben werden sollten. Vielmehr wurden zwei Staaten empfohlen:

  • In dem einen Gebiet (weiß auf der zweiten Landkarte) lebten damals 60 % Jüdinnen und Juden, die zum größten Teil in den vergangenen 50 Jahren eingewandert waren, und 40 % Palästinenser*innen.
  • In dem anderen Gebiet lebten fast ausschließlich Palästinenser*innen (grün).

Minderheitenrechte sollten respektiert werden und es sollte keine Diskriminierung auf Grund von Rasse, Religion oder Sprache geben. Alle Menschen sollten in dem Staat, in dem sie leben, Bürgerrechte haben. Die Grafik stellt also eine Vereinfachung dar, da nicht empfohlen wurde, die Palästinenser*innen in dem weißen Gebiet zu enteignen oder gar zu vertreiben.

Die Palästinenser*innen waren empört über diesen Plan, weil sie keine Schuld auf sich geladen hatten. Begründet wurde die Aufteilung mit dem Holocaust und Verfolgungen in anderen Ländern. Warum sollten aber die Palästinenser*innen für die Verbrechen von Hitler büßen?3 Oder warum sollten jüdische und palästinensische Menschen nicht in einem gemeinsamen Staat leben? Ein wichtiger Grund war, dass die Großmächte einen Brückenkopf im Nahen Osten haben wollten. Insbesondere die USA unterstützten den Staat Israel von Anfang an politisch, militärisch und finanziell. Einige zionistische Gruppen, insbesondere zionistische Milizen lehnten den Plan ab. Die Mehrheit unter David Ben Gurion, dem späteren Ministerpräsidenten Israels, akzeptierte den Teilungsplan. Allerdings sagte Ben Gurion:

Wenn wir nach Errichtung des Staates [Israel] eine große Armee aufgebaut haben, werden wir die Teilung aufheben und uns über ganz Palästina ausbreiten.4

Vertreter*innen des humanistisch-kulturellen Zionismus wie Hannah Arendt und Martin Buber waren gegen die Teilung und für ein gleichberechtigtes Zusammenleben mit den Palästinenser*innen. Sie konnten sich jedoch nicht durchsetzen.

Die Nakba – die Flucht und Vertreibung der Palästinenser*innen

Die Vertreibung der Palästinenser*innen aus dem Gebiet, das der jüdischen Agentur zugesprochen wurde, sowie aus möglichst vielen anderen Gebieten, war strategisches Ziel der zionistischen Streitkräfte. Zu diesem Plan mit dem Namen Dalet gehörte die Zerstörung der Dörfer durch Abbrennen und Verminen, um eine Rückkehr der Bevölkerung unmöglich zu machen sowie das Erzeugen von Angst durch Massaker und Propaganda. Mit der Vertreibung begannen die zionistischen Milizen direkt nach der Verabschiedung der UN-Resolution.

Gründung des Staats Israel am 14. Mai 1948

Unmittelbar nach der Beendigung des britischen Mandats gründete die zionistische Bewegung den Staat Israel. Auch an diesem Tag setzen die zionistischen Truppen ihre Vertreibungen fort; bereits 350.000 Palästinenser*innen hatten das Land verlassen und damit die Hälfte der insgesamt Vertriebenen. Mehrere arabische Staaten erklärten am 15. Mai Israel den Krieg, um weitere Vertreibungen zu verhindern.

Rückkehrresolution

Nach dieser im Dezember 1948 verabschiedeten UN-Resolution 194 III dürfen alle palästinensischen Flüchtlinge zurückkehren und/oder müssen entschädigt werden.5 Jedoch gibt es auch heute noch über 4 Millionen registrierte Flüchtlinge: 1 Million in Gaza, 710.000 in der Westbank, der Rest zum größten Teil in Jordanien, Libanon und Syrien. Die Flucht und Vertreibung wird von den Palästinenser*innen als Nakba (das bedeutet Katastrophe) bezeichnet.

Waffenstillstand

Im Jahr 1949 vereinbarte Israel mit arabischen Nachbarstaaten eine Waffenstillstandslinie – die so genannte Grüne Linie. Der Staat Israel hatte damit 78 % des britischen Mandatsgebiets Palästina unter seine Kontrolle gebracht. Allerdings hat Israel bis heute keine Staatsgrenzen festgelegt. Der Gazastreifen – viel kleiner als von der UN Resolution 181 empfohlen – stand unter ägyptischer Kontrolle, die Westbank – ebenfalls viel kleiner als empfohlen – sowie Ost-Jerusalem wurden von Jordanien annektiert.

Juni-Krieg und Besatzung

Am 5. Juni 1967 griff der Staat Israel Ägypten an, woraufhin Syrien, Jordanien und Irak im Rahmen eines Beistandspakts mit Angriffen auf Israel antworteten. Führende israelische Politiker und Militärs bestätigten später, dass der Krieg von Israel ausgegangen sei. So erklärte z. B. der ehemalige Kommandeur der israelischen Streitkräfte Ezer Weizmann, dass „keine Gefahr der Zerstörung Israels bestanden habe“. Der Krieg sei jedoch gerechtfertigt gewesen, um sicherzustellen, dass Israel „in der jetzigen Größe, dem Geist und der Art weiter bestehen kann“.6

Der Krieg wird als Juni-Krieg oder 6-Tage-Krieg bezeichnet. Nach dem Sieg des israelischen Staates besetzte der Staat Israel Golan, Sinai, Gazastreifen, Westbank und annektierte Ost-Jerusalem.

Der UN-Sicherheitsrat beschloss einstimmig die Resolution 242 und betonte darin die „Unzulässigkeit des Gebietserwerbs durch Krieg“ und forderte den „Rückzug der israelischen Streitkräfte aus (den) Gebieten, die während des jüngsten Konflikts besetzt wurden“. Der Staat Israel hat die Resolution bis heute nicht umgesetzt und begann sofort mit Besiedlung der Region durch jüdische Siedler. In der besetzten Westbank und im annektierten Ostjerusalem wohnen heute völkerrechtswidrig 650.000 jüdische Israelis in über 200 Kolonien. Fast 70 % des Landes der Palästinenser*innen wurde enteignet und Palästinenser*innen dürfen die Kolonien sowie die sie verbindenden Straßen nicht betreten.

Palästinenser*innen im Staat Israel

Palästinenser*innen leben nicht nur in von Israel besetzten Gebieten und als Flüchtlinge im Ausland, sondern auch mit Staatsbürgerschaft im Staat Israel – insgesamt 1,2 Millionen, was fast einem Viertel der israelischen Bevölkerung entspricht. Mit Mitteln der Enteignung und der fast vollständigen Verweigerung von Baugenehmigungen hat die israelische Regierung bewirkt, dass sie nur noch 6 % des Landes ihr eigen nennen können.

Weiterführenden Hinweise

Wer sich intensiver mit Palästina und Israel beschäftigen möchte, kann auf die erwähnten Bücher zurückgreifen oder auf Informationen und Weblinks auf den Seiten des Versöhnungsbunds: https://www.versoehnungsbund.de/palaestina-israel

Gabi Bieberstein

Gabi Bieberstein ist aktives Mitglied im Internationalen Versöhnungsbund Deutscher Zweig, im Sprecherkreis des deutschen Koordinationskreises Palästina Israel – für ein Ende der Besatzung und einen gerechten Frieden (KoPI) sowie bei Attac – dort im bundesweiten Attac-Rat, in der bundesweiten AG Globalisierung und Krieg, in der Attac-AG für Demokratie im arabischen und Mittelmeerraum (DEAM) und in der Gruppe Menschenrechte und Frieden. Sie hat zwei Begegnungsreisen nach Palästina und Israel unternommen in den Jahren 2008 und 2009.

Gabi Bieberstein 5. Oktober 2013

Anmerkungen

1) Berry, Mike/ Phili, Greg: Israel und Palästina. Kampf ums „gelobte“ Land – eine vergleichende Betrachtung, Berlin 2007, Kai-Homilius Verlag; Ilan Pappe: Die ethnische Säuberung Palästinas, 2014, Haffmans & Tolkemitt; Flüchtlingskinder im Libanon: Die Nakba – Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948, 3 €, Bezug: 07121/78556, irumpf (at) lib-hilfe.de, kostenloser Download: >>>  ; Andreas Buro und Clemens Ronnefeldt: Der Israel-Palästina-Konflikt, Bezug und kostenloser Download:  >>> .

2) RESOLUTION DER GENERALVERSAMMLUNG verabschiedet am 29. November 1947, 181 (II). Die künftige Regierung Palästinas  >>>.

3) Dazu auch Erzbischof Tutu: „Der Westen beging den Holocaust, aber die Palästinenser zahlen den historischen Preis dafür  >>>.  

4) Zitiert nach Flapan, Simha: The Birth of Israel: Myths and Realities, New York 1987, Pantheon Books, S. 22.

5) Recht der Flüchtlinge auf Rückkehr oder Entschädigung. Generalversammlung – Resolution 194 (III), 11. Dezember 1948 >>>.

6) Ha’aretz, 29. März 1972, zitiert nach Berry, Mike/ Phili, Greg: Israel und Palästina. Kampf ums „gelobte“ Land – eine vergleichende Betrachtung, Berlin 2007, Kai-Homilius Verlag, S. 66.

 Fotos:
– Beitragsbild: Gedenken an die Nakba – die Flucht und Vertreibung der Palästinenser*innen, Hebron 2010; Shy Halatzi, wikimedia commons
– Palästinenser*innen auf der Flucht 1948; wikimedia commons
– Landverlust der Palästinenser*innen, Taha MediaDesign