Handala – Ikone des palästinensischen Widerstands

handala4Handala zeigt bis zu seiner Rückkehr nach Palästina der Welt den Rücken. – Die Figur entstand 1969 von der Hand von Naji al-Ali, eines palästinensischen Flüchtlings. – Handala ist der Name einer bitteren Wüstenpflanze mit starken Wurzeln. –

Vier Jahrzehnte nach seiner Geburt und 25 Jahre nach dem Tod seines Schöpfers ist Handala weiterhin eines der mächtigsten Symbole der palästinensischen Sache, der Flüchtlinge und des Widerstands angesichts der Ungerechtigkeit.

Der 10-jährige, bloßfüßige Kleine erscheint als stummer Zeuge von Unrecht und Gewalt fast immer mit dem Rücken, Straßen und Mauern sind voll mit ihm, er ziert Schmuck, Schlüsselanhänger, Hemden, Hefte und alle möglichen Artikel: ein Emblem, das fast in der ganzen Welt als palästinensisch bekannt ist, aber dessen Entstehung nur wenige außerhalb der Region kennen. Die einfache Zeichnung entstand 1969 von der Hand von Naji al-Ali, einem palästinensischen Flüchtling im Südlibanon, der seiner Figur den Namen einer bitteren Wüstenpflanze mit sehr starken Wurzeln und sein eigenes Alter bei der Flucht aus Palästina 1948 gab. […]

Naji al-Ali, der im Dorf Al-Sharaya geboren wurde, wollte, dass das Kind mit dem Flicken auf dem Hemd, das als Flüchtling völlig verarmt ist, nicht größer wird, bis es in seine Heimat zurückkehrt, was nie geschah. Nachdem er seine Vignetten Jahrzehnte lang als spitze Pfeile gegen die Reichen und Mächtigen, gegen Politiker, Israel und die USA eingesetzt hatte, wurde der Zeichner 1987 in London ermordet. […]

„Handala ist für die Palästinenser die wichtigste Ikone. Es ist ein Symbol, das ebenso stark ist wie unsere Fahne. Für alle repräsentiert es die Palästinenser, in den Flüchtlingslagern, in unserem Land und im Rest de Welt“, erklärt der palästinensische Karikaturist Mohamed Sabaneh 

Die vorwurfsvolle und ironische kleine Figur „zeigt der Welt den Rücken und träumt von der Rückkehr in sein Land. Sie spiegelt die Vergangenheit und die Gegenwart der Palästinenser“. […] Ursprünglich war Handala ein stummer Zeuge mit auf dem Rücken verschränkten Händen, aber nach dem arabisch-israelischen Krieg von 1973 macht er einen Schritt aus seiner Passivität zu einer aktiveren Haltung: der Kleine umarmt die Verletzten, wirft Steine,  nimmt an Demonstrationen teil, nimmt die israelische Fahne ab und hisst die palästinensische.

Miguel Llabrés, der zur Zeit als Spanischlehrer in Ramallah seine Doktorarbeit über das Werk von Ali schreibt, erklärt, dass Handala anfangs die Flüchtlinge repräsentiert, bald aber alle Palästinenser, dann die Araber, und heute eine Ikone des Widerstands ist angesichts von Ungerechtigkeit, Ausbeutung, Kolonialismus, Imperialismus, Israel und der Politik der USA im Nahen Osten.

Die Personen von Ali – Das mit einfachen Strichen ohne weiteren Schmuck und mit zehn Haaren wie Igelstacheln auf dem Kopf gezeichnete Kind begleiten verschiedene Personen, darunter in erster Linie Fatima, die Frau (und) Heimat, die den Schlüssel des verlassenen Heims aufbewahrt, die stärker ist als der Mann, dem sie oft seine Schwäche und seinen Mangel an Initiative vorwirft.

Mit ihrem Mut und ihrer Widerstandskraft stellt Fatima Palästina dar. An ihrer Seite ist Abu Fateh, der gute Mann, der in die Armut gesunken, sich in Fragen verzehrt; er repräsentiert die Teilung, das (engstirnige) Sektierertum und den Mangel an Führung in der arabischen Welt, und auch die absolute Einsamkeit, die Einschränkungen der Bewegung, die Beschwerlichkeiten des Exils und der Besatzung.

Bosheit, Egoismus und Gefrässigkeit repräsentieren die Dickwänste, die die Händler, die Spießbürger, die Politiker darstellen, die das Land verkaufen, die Erdölländer, Araber, Amerikaner und Falangistenführer. „Sie sind fett, mißgestaltet, ihr Blick und ihr Lächeln ist boshaft, sie haben keine Füße – die positiven Gestalten schon. Oft sind sie barfuß, und manchmal kommen aus ihren Füßen Wurzeln, die ihre Anhänglichkeit an das Land zeigen“, erklärt Llabrés.

Die ägyptischen Präsidenten Anwar el Sadat und Hosni Mubarak, israelische Politiker und Soldaten sowie […] Henry Kissinger waren einige der karikierten Personen in den mehr als 10.000 Zeichnungen mit der Unterschrift von Ali.

Einige Zeichnungen sind nicht vergessen in Archiven und Bibliotheken, man sieht sie in den Strassen der besetzten Gebiete, sie sind zu einer Art palästinensischem „Che“ geworden, der die Empörung und die Anklage des Unrechts bündelt.
Quelle: >>>  Übersetzung/Kürzung: K. Nebauer